GESCHICHTE

Die Mittelburg wurde im 12. oder 13. Jahrhundert als eine der vier Burgen oberhalb  Neckarsteinachs von den Edelfreien von Steinach, die sich ab 1300 Landschade von Steinach nannten, erbaut. Sie wurden 1141 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Darin macht Bischof Burchard II v. Worms bekannt, dass sein und des Grafen v. Lauffens Lehnsmann Bligger I v. Steinach sein Lehen im Steinachtal für die Gründung des Zisterzienserklosters Schönau zur Verfügung stellt.  Ein Bruder Bligger I v. Steinach war Konrad I, der Nachfolger Bischof Burchards II von Worms (1150 -1172) wurde.  Der sicher bekannteste Abkömmling dieser Familie, Bligger II (1152-1210) war Minnesänger und Dichter. Er ist mit seinen drei erhaltenen Gedichten und Miniaturen in der Manessischen Liederhandschrift vertreten. Nach Breuer/Breuer ist er vielleicht sogar der Verfasser des Nibelungenliedes. Er reiste im Gefolge der Stauferkaiser Barbarossa und Heinrich VI bis Sizilien und Jerusalem. 1345 zog Ulrich v. Steinach im Kreuzzug gegen die Sarazenen und bewährte sich dort durch große Tapferkeit. Seitdem haben die Herren v. Steinach das Sarazenhaupt als Helmzierde im Wappen.  1527 führte Landschad Hans III gegen den Willen des Heidelberger Kurfürsten in Neckarsteinach die Reformation ein. So war die 1484 spätgotisch erbaute Kirche nur weinige Jahre katholisch, bis sie ab 1662 als Simultankirche den verschiedenen Konfessionen diente. Hier sind auch viele Grabmale und Gedenktafeln der Landschaden zu finden.Die Landschaden waren von 1355 bis zu ihrem Aussterben 1652 im Dienst der Heidelberger Kurfürsten und erwarben sich dort großes Ansehen.Um 1550 baute Hans Bleikard die Mittelburg zu einem Renaissanceschloß nach dem Vorbild des Heidelberger Schlosses um.

Nach dem Tod des letzten Landschadens Friedrich III 1653 treten die Freiherrn (später Grafen) v. Metternich mit den Linien Burscheid später Müllenarck ihre Nachfolge an. Damals sollen noch alle vier Burgen erhalten gewesen sein. Schon 1753 starb der letzte Metternich Hugo Franz Wolf. Sein Schwiegersohn Clemens Zero Freiherr v. Dorth stritt mit den Bistümern Speyer und Worms um das Allodialerbe der Familie. Die Bistümer wollten den Erben das Amt und die Stadt nicht mehr als Lehen geben. Die Mittelburg wurde als Amtssitz der Bistümer genutzt. Erst 1807 konnte die Familie die Mittelburg wieder bewohnen. Dem war ein 50 - jähriger Streit, der Reichsdeputationshauptschluß mit der Säkularisierung, ein Tauschverfahren zwischen Hessen und Baden, indem Neckarsteinach  an Hessen-Darmstadt gekommen war, und eine Ausgleichszahlung Ludwig Dorths an den Großherzog Ludwig X v. Hessen vorausgegangen.

Ludwigs ältester Sohn Rudolf heiratete 1829 Anna Freiin von Warsberg, deren Familie in Lothringen ansässig war. Mit ihrem Vermögen wird die Mittelburg ab 1835 unter der Leitung des Baumeisters Opfermann aus Mainz und dem Maler Usinger im neugotischen Stil renoviert und der Forstbetrieb im Odenwals arrondiert. Auf ihren innigsten Wunsch wird eine Kapelle in der Mittelburg gebaut und 1857 von Bischof Ketteler aus Mainz benediziert. Nachdem der Bau einer Familiengrabstätte auf dem Ortsfriedhof abgelehnt wurde, lassen Rudolf und Anna Dorth 1863 zwischen der Mittel-und Hinterburg eine Gruftkapelle bauen. Sie diente der Familie bis 1938 als Grabstätte. Als letzte wird dort May Freifrau v. Warsberg, geb.Freiin v. Ralli (die Großmutter des heutigen Eigentümers) nach griechisch-orthodoxem Ritus beigesetzt.Anna und Rudolf Dorth hatten 13 Kinder , aber keine männlichen Enkel und gar keine Urenkel. Deshalb adoptierte ihr Sohn Ludwig Dorth 1920 seinen Neffen Alexander Freiherrn von Warsberg ( den Großvater des heutigen Eigentümers). Alexander Warsberg starb 1920 wenige Tage nach dem Tod seines Onkels und Adoptivvaters Ludwig Dorth. Erst 1934 konnte sein ältester Sohn Boemund Freiherr v. Warsberg-Dorth nach seinem abgeschlossenem Studium der Forstwirtschaft den Besitz übernehmen. Er wollte die Mittelburg unter Leitung der Architekten Prof. Rudolf Steinbach und Hermann Hampe wieder in ein romanisches Aussehen bringen. Vieles im Inneren der Mittelburg konnte noch umgesetzt werden, bis die Bauarbeiten durch den Beginn des 2. Weltkrieges abgebrochen werden mussten.

1945 übernahm Dr. med. Alexander Freiherr v. Warsberg, der als Pharmakologe an der Universität Wien gearbeitet hatte, das Erbe und damit die Leitung des Betriebes, nachdem sein Bruder Boemund 1943 im Kriegseinsatz gestorben war. Alexander Freiherr v. Warsberg war verheiratet mit Elisabeth Gräfin zu Stolberg-Stolberg, verw. Eisenbach. Sie lebten mit ihren sieben Kindern in der Mittelburg. 1983 nach Alexanders Tod  übernahm wiederum  sein ältester Sohn lic.oec. Johannes Freiherr v. Warsberg  dessen Erbe und damit die Leitung des Freiherrlich von Warsberg ´schen Gesamtbetriebes. Er ist seit 1980 mit  M.A. Ulrike Freiin v. Welck verheiratet und sie haben fünf Kinder.

In der wechselvollen Geschichte der jahrhunderte alten Mittelburg besteht doch große Kontinuität:  Der Minnesänger Bligger II ist der 22-fache Urgroßvater des heutigen Eigentümers Johannes Freiherr v. Warsberg.